| Die geographische Lage lässt sich – in Deutung der Flussnamen nach dem Text – somit nur spekulativ bestimmen, indem man die Beschreibung des Stromes, „der von Eden ausging“ und sich dann in vier „Hauptflüsse“ – Pischon, Gihon, Hiddekel östlich von Aschur und Perat (Euphrat) – teilte, zu Rate zieht.
* Der Euphrat (griechisch) ist bekannt als Fırat (türkisch), Pu-rat-tu (alt-assyrisch) und Ufrat (altpersisch) was auf Huperethuua zurückgeht.
* der Hiddekel ist jener Name, der in den alten Inschriften für den Tigris steht
* das mit dem derzeit nicht identifizierbaren Fluss Gihon verknüpfte Kusch bedeutet meistens Äthiopien (oder Midian), hier ist aber eher der sumerisch-akkadische Stadtstaat Kisch in Mesopotamien gemeint, für den aber erst ab etwa 2800 v. Chr. Überlieferungen bestehen. In Frage käme eher die hethitische Stadt Kuschar bzw. Kuschara, die aber noch nicht wieder gefunden wurde. David Rohl hält den Aras für den historischen Gihon. Er führt ein Dokument aus der Zeit der islamischen Invasion in Persien an, das die Bekanntheit des Aras unter dem Namen Gyhun bis ins 7. Jhd. beweise. Der alte Name der Region am Gyhun laute wie eine Gegend im heutigen Sudan ebenfalls Kusch. Ein Gipfel heißt heute noch hier Kuscha-Dagh („Berg von Kusch“).
* Der Fluss Pischon bleibt mangels einer geografisch-historischen Interpretation unberücksichtigt, genauso wie die Ortsangabe Chawila. Ob ein Ort am Chabur, ein Nebenfluss des Euphrat in Syrien, gemeint ist, ist derzeit nicht geklärt. Der Pischon wird von David Rohl als der noch heute Gold führende Qezel Uzan identifiziert. Die Übersetzung von Qezel mit „golden“ deute auf die reichen Gold- und Edelsteinvorkommen des Gebietes hin, das die Genesis um Chawila beschreibt.
Euphrat und Tigris entspringen beide in der Nähe der türkischen Stadt Elazığ. Das Finden zweier weiterer Flüsse in dieser Quellregion, die dann Nebenflüsse des einen oder anderen bzw. beider sind oder waren, ist möglich, z. B. den Murat als längsten Quellfluss des Euphrats.
Alle Flüsse dieser Region fließen entweder direkt oder indirekt in den Persischen Golf, was einer Vereinigung der Ströme gleichkommen würde, wenn auch nach der gängigen Lesart des Textes an deren falschen Ende. Zuvor weiten sie sich jedoch in den Ebenen Mesopotamiens zu einem mehr oder weniger stark verknüpften Fluss-System aus, wobei hier zwar einzelne, natürlich Verlegungen im Lauf der Zeit bekannt sind, jedoch keine Hinweise auf Zuordnungen im Kontext des obigen Textes gegeben sind.
Bei Überschreitung der Kämme der Gebirgsmassive in der östlichen Türkei findet man auch Flüsse, die ins Schwarze Meer oder ins Kaspische Meer münden. Wäre also die Zentraltürkei Ausgangspunkt der Textbeschreibung so wäre die Lokalisierung zwangsläufig weiter nördlich.
Das Problem eines Stromes, der aus Eden fließt und sich in vier Hauptarme teilt, lässt sich nach Rohl so lösen: Dieser Strom könnte der Meidan Chay sein, der durch die Stadt Täbris in den Urmiasee fließt. Das Wort im hebräischen Urtext bedeutet „Quellort“ oder „Kopf“, nach damaligem Verständnis könnte der Urmiasee als Quellbecken der vier Paradiesflüsse verstanden worden sein. Südlich der Stadt Täbris liegt der Vulkan Sahand mit 3710 m Höhe, den Rohl mit dem Berg Gottes in Verbindung bringt, der laut Ezechiel 28,12-16 im Paradies existiert haben soll. |